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1957 bis 2007 – 50 Jahre Seefestspiele MörbischAls 1957 unter Festspielgründer Prof. Herbert Alsen erstmals „Der Zigeunerbaron“ auf der Seebühne in Mörbisch aufgeführt wurde, wagte wohl niemand die Entwicklung dieses Festivals vorauszusagen. 50 Jahre später sind die Seefestspiele Mörbisch aus dem kulturellen und touristischen Angebot Österreichs nicht mehr wegzudenken. Von Beginn an haben sich die Seefestspiele die Pflege der klassischen Operette, als urtypische österreichische Musikgattung, zur Aufgabe gemacht. Insbesondere in den Jahren unter der Intendanz von Prof. Harald Serafin wurde ein entscheidender Beitrag zu der vielfach zitierten „Renaissance der Operette“ geleistet. Heute wird Mörbisch von zahlreichen in- und ausländischen Medien als „Mekka der Operette“ bezeichnet. 1957 bis 2007 – 50 Jahre Seefestspiele Mörbisch Er war ein Titan, als Mensch und auf der Bühne, mit dröhnender Stimme: einst 190 cm groß und gut 115 kg schwer. Er wurde im deutschen Hildesheim am 12. Oktober 1906 geboren, Herbert Alsen. Ein Mann der großen Geste, ein Mensch, der das Leben liebte, mit Sinn für Theatralik, mit Stil, Bildung und Prinzipien, Humanismus und Toleranz, ausgestattet mit den männlichen Tugenden der Verschwiegenheit, Diskretion, gastfreundlich und vertragstreu. Ein Unbestechlicher mit nahezu fanatischem Gerechtigkeitssinn und Disziplin, gesegnet mit einer unverwechselbaren Stimme, einem absoluten Gehör, einer natürlichen Spielbegabung und einer unglaublichen Kondition, in jeder Beziehung. Er wollte Geiger werden, war schon als Gymnasiast Konzertmeister in bischöflichen Orchester. Während seines Musikstudiums in Berlin der zwanziger Jahre fiel seine Stimme auf. Im Haydn-Gedenkjahr 1931/32 tourte Herbert Alsen als Chorsänger durch Deutschland mit den Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“. Von der Tourneestation Hamburg wurde er direkt nach Hagen in Westfahlen engagiert. Als erster Bassist debütierte Alsen als Rocco im „Fidelio“. Zehn weitere Partien sollten noch in diesem ersten Jahr folgen, ehe er über Wiesbaden und Berlin nach Wien kam. Das war 1936. Schon im Sommer gastierte er bei den Salzburger Festspielen unter Toscanini. Bereits 1938 war er an der Met in New York; es folgten die Mailänder Scala, Covent Garden, die Grande Opera in Paris, das Münchner Nationaltheater und viele andere Opernhäuser; er sang 50 Partien seines Faches, das eines gesuchten „schwarzen Basses“, am liebsten den Gurnemanz im „Parsifal“, den Hagen in der „Götterdämmerung“, den Sarastro, den Quasimodo, den Banquo, den Osmin. 1955 kam das Ehepaar Alsen erstmals nach Mörbisch, am tatsächlichen Ende der damaligen westlichen Welt. Gemeinsam mit seiner Gattin Gisela, die unter ihrem Mädchennamen Bossert die Kostüme entwarf, zumal sie aus der Berliner Modebranche kam, gründete Alsen 1957 die Seefestspiele Mörbisch. Mitten im Schilf. 1958 wurde die Zuschauertribüne von 1.200 auf 1.500 Plätze erweitert, und 1959 auf 3.000 Plätze. Zwei Jahre später wurden ihm auch die bislang amateurhaften Burgspiele Forchtenstein angeboten. 1959 verwandelte Alsen den Burggraben auf Forchtenstein zu einer Bühne, führte das frühsommerliche Schauspiel in professionelle Bahnen und gründete ein Zentrum internationaler Grillparzerpflege. 1961 wurde das Grillparzer-Forum ins Leben gerufen. Inzwischen ließ sich die Familie Alsen endgültig in Mörbisch nieder. Fürst Dr. Paul Esterházy, der eine atemberaubende Vergangenheit hinter sich hatte, schätzte den gebildeten, seriösen, gesprächsbereiten, aber dogmatischen „Kammersänger aus Wien“ so sehr, dass er nicht nur den Forchtensteiner Burggraben bespielen ließ, sondern auch den kerzenerleuchteten Rittersaal der Burg, samt Familiensilber, für die unvergesslichen Premierenfeiern zur Verfügung stellte. Viele Schauspieler traten hier, meist unter der Spielleitung von Ernst Haeussermann, auf. 1983 versanken die Burgspiele in einen Dornröschenschlaf und wurden erst später wieder wachgeküsst. Zeitgerecht, im Vollbesitz seiner stimmlichen Mittel, zog sich Alsen von der Bühne zurück. Er war Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper und wohlbestallter Kammersänger, und das zu einer Zeit, in der dieser Titel noch nicht inflationär verschleudert wurde. Ein schwerer Autounfall im Jahre 1959 hinterließ schmerzhafte und sichtbar Spuren. Am 24. Oktober 1978 starb Herbert Alsen in einem Wiener Krankenhaus. In seiner Tochter Marina, seinem Enkel Thomas, in der Erinnerung seiner Witwe Gisela und in seinen Seefestspielen Mörbisch lebt er weiter. Eine so außergewöhnliche Persönlichkeit wie Alsen war nicht zu ersetzen. Sein Idealismus war so weit gegangen, dass er, gemeinsam mit dem Landespolitiker Hans Bögl, mit seinem bescheidenen privaten Vermögen persönlich für die Gage der Seefestspieler gehaftet hatte. Fred Liewehr, Doyen des Burgtheaters und selbst als „Bettelstudent“ in der Ära Rott-Hösslin-Pawlik an der Volksoper eine Operettengröße, wurde für Forchtenstein und Mörbisch zum interemistischen Intendanten bestellt. Franziska Schurli, viele Jahre lang Seele des „Alsen-Imperiums“, führte weiter die kaufmännischen Agenden, die noch um die Schlossspiele Kobersdorf erweitert worden waren. Hier war, sehr kurz, Helmut Andics tonangebend. Auf der weiten, offenen Seebühne setzte Liewehr erstmals die „Fledermaus“ an, eine Operette, die bekannterweise im 1. Akt in einem Zimmer, im 2. Bild in einem Ballsaal und im 3. Akt in einem Gefängnis spielte. Schon im nächsten Jahr übernahm Franziska Schurli, die Praktikerin, sämtliche Aufgaben, bis die herzerfrischend offene, theaterbesessene Frau plötzlich unter der Last dieser übergroßen Verantwortung für Mörbisch und Kobersdorf zusammenbrach und im Jänner 1984 verstarb. Volksopernchef Karl Dönch, mit Mörbisch seit den Alsen-Tagen verbunden, stand rettend zur Verfügung. Die Teletheater, mit Sitz in Wien, ursprünglich als internationale mediale Verwertungsgesellschaft im Nahbereich der österreichischen Bundestheater gegründet, führte nach dem Tod von Franziska Schurli die Geschäfte. Man baute eine neue Beleuchtungsanlage, verbesserte die Infrastruktur, gastierte sogar einmal im sizilianischen Taormina mit dem „Zigeunerbaron“ und verstärkte den Kontakt zu den Medien. 1987 wurde das Hauptgebäude auf dem Seegelände errichtet und die Zuschauertribüne von 3.000 auf 3.540 Plätze erweitert. Der ORF übertrug erstmals direkt oder zeichnete Vorstellungen der Seefestspiele Mörbisch auf. Programmintendant Ernst Wolfram Marboe gelang in der Folge das Kunststück, etwa für „Gräfin Mariza“, „Land des Lächelns“ und „Das weiße Rössl“ die TV-Rechte für Österreich zu erwirken. Der ORF konnte damit seinen gesetzlichen Auftrag der Förderung von Kunst und Kultur auch im Burgenland nachhaltig erfüllen, abgesehen davon, dass in all den Jahren in den aktuellen Sendungen des Hörfunks und des Fernsehens ausführlich über die Seefestspiele Mörbisch, über Proben und Künstler berichtet wurde. Sylvia Dönch hat sich hier als Redakteurin und Regisseurin bei Großproduktionen des ORF einen Namen gemacht. Nach der Liquidation von Teletheater 1989 führte der Masseverwalter Dr. Ludwig Follner die Geschäfte, und schon ein Jahr später wurde der gebürtige Burgenländer Rudolf Buszolich als Intendant für Mörbisch und Kobersdorf bestellt. „Sissi und Romy“, der Versuch einer Musicaloperette mit ungenügenden Mitteln umzusetzen, wurde dem Burgschauspieler zum Verhängnis. Buszolich trat als Intendant zurück, und 1992 übernahm KS Prof. Harald Serafin die Intendanz für Mörbisch. Er startete seine Ara mit Lehars „Lustige Witwe“ und einem neuen Orchestergraben. 1994 wurde die Zuschauertribüne von 3,540 auf 4.100 Plätze erweitert. Der Spielplan von 1957 bis 2007: Es war 1957, und es war sonnenklar, dass es nur „Der Zigeunerbaron“ sein konnte, so nahe an der ungarischen Grenze, direkt am Eisernen Vorhang, an einem Steppensee, um das Spiel auf dem See zu beginnen. Und dann diese Geschichte und diese Musik! 1957 - „Der Zigeunerbaron“, von Johann Strauß. Die Mitwirkenden der ersten Vorstellung waren: Franz Brenn als Homoday, Fritz Silberbauer als Barankay, Friedl Riegler, Fritz Berber, Berti Mandl, Josef Paar, Tobias Lang, Marina Alsen, Michael Wenzel, Maximilian Kobale, Franz Lawatsch, Polly Batic, Gertrud Burgstaller, Herbert Halwax, Franz Sommer, Johann Lang und Hermann Sommer. Musikalische Leitung: Karl Winkler, Inszenierung: Eerwin Euler, Kostüme: Gisela Bossert, Bühnenbild: Kurt Ekelhart, Choreographie: Steffy Preisinger. 1.200 Sitzplätze standen je Vorstellung zur Verfügung. Tatsächlich ist diese Johann Strauß-Operette jenes klassische Werk, das durch Form, Inhalt, Sujet und Partitur einer komischen Spieloper am nächsten kommt. 1958 versuchte man zwei Operetten. „Eine Nacht in Venedig“ und „Der Zigeunerbaron“, beide von Johann Strauß. Je Vorstellung 1.500 Plätze. 1959 wurden wieder zwei Operetten aufgeführt. „Der Zigeunerbaron“, von Johann Strauß und „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán. Je Vorstellung 3.000 Plätze. 1960 folgten „Der Zigeunerbaron“, von Johann Strauß und „Viktoria und ihr Husar“ von Paul Abraham. 3.000 Plätze, insgesamt 20.140 Besucher. 1961 - „Die Csardasfürstin“, von Emmerich Kálmán, 3.000 Plätze, insgesamt 22.420 Besucher 1962 - „Der Zigeunerbaron“, von Johann Strauß, 3.000 Plätze, insgesamt 22.509 Besucher 1963 - „Gasparone“ von Karl Millöcker, 3.000 Plätze, insgesamt 22.500 Besucher 1964- „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar, 3.000 Plätze, insgesamt 22.793 Besucher 1965 - „Die Blume von Hawaii“ von Paul Abraham, 3.000 Plätze, insgesamt 23.987 Besucher 1966 - „Der Zigeunerbaron“, von Johann Strauß, 3.000 Plätze, insgesamt 27.376 Besucher 1967 - „Venus in Seide“, von Robert Stolz, 3.000 Plätze, insgesamt 25.288 Besucher 1968 - „Gräfin Mariza“, von Emmerich Kálmán, 3.000 Plätze, insgesamt 26.772 Besucher 1969 - „Der Bettelstudent“, von Karl Millöcker, 3.000 Plätze, insgesamt 26.313 Besucher 1970 - „Die ungarische Hochzeit“, von Nico Dostal, 3.000 Plätze, insgesamt 26.561 Besucher 1971 - „Die Csardasfürstin“, von Emmerich Kálmán, 3.000 Plätze, insgesamt 29.600 Besucher 1972 - „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß, 3.000 Plätze, insgesamt 29.573 Besucher 1973 - „Viktoria und ihr Husar“ von Paul Abraham, 3.000 Plätze, insgesamt 29.267 Besucher 1974 - „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller, 3.000 Plätze, insgesamt 29.600 Besucher 1975 - „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß, 3.000 Plätze, insgesamt 29.600 Besucher 1976 - „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehar, 3.000 Plätze, insgesamt 29.591 Besucher 1977 - „Maske in blau“ von Fred Raymond, 3.000 Plätze, insgesamt 29.600 Besucher 1978 - „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán, 3.000 Plätze, insgesamt 29.600 Besucher 1979 - „Gräfin Mariza“, von Emmerich Kálmán, 3.000 Plätze, insgesamt 29.600 Besucher 1980 - „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, 3.000 Plätze, insgesamt 26.773 Besucher 1981 - „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß, 3.000 Plätze, insgesamt 29.396 Besucher 1982 - „Ein Walzertraum“ von Oscar Strauß, 3.000 Plätze, insgesamt 27.175 Besucher 1983 - „Die goldene Meisterin“ von Edmund Eysler, 3.000 Plätze, insgesamt 23.869 Besucher 1984 - „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán, 3.000 Plätze, insgesamt 40.877 Besucher 1985 - „Im weißen Rössl“ von Ralph Benatzky, 3.000 Plätze, insgesamt 52.409 Besucher 1986 - „Der Zigeunerbaron“, von Johann Strauß, 3.000 Plätze, insgesamt 53.642 Besucher 1987 - „Gräfin Mariza“, von Emmerich Kálmán, 3.540 Plätze, insgesamt 37.707 Besucher 1988 - „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß, 3.540 Plätze, insgesamt 52.003 Besuche 1989 - „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehar, 3.540 Plätze, insgesamt 45.965 Besucher 1990 - „Die Csardasfürstin“, von Emmerich Kálmán, 3.540 Plätze, insgesamt 53.056 Besucher 1991 - „Sissi und Romy“ von Roland Baumgartner, 3.540 Plätze, insgesamt 34.777 Besucher 1992 - „Der Zigeunerbaron“, von Johann Strauß, 3.540 Plätze, insgesamt 53.645 Besucher 1993 - „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar, 4.100 Plätze, insgesamt 67.000 Besucher 1994 - „Wiener Blut“ von Johann Strauß, 4.100 Plätze, insgesamt 80.000 Besucher 1995 - „Der Bettelstudent“, von Karl Millöcker, 4.100 Plätze, insgesamt 90.000 Besucher 1996 - „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, 4.535 Plätze, insgesamt 130.000 Besucher 1997 - „Pariser Leben“ von Jaques Offenbach, 4.535 Plätze, insgesamt 117.000 Besucher 1998 - „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller, 4.535 Plätze, insgesamt 127.000 Besucher 1999 - „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß, 4.535 Plätze, insgesamt 160.000 Besucher 2000 - „Der Zigeunerbaron“, von Johann Strauß, 6.000 Plätze, insgesamt 206.000 Besucher 2001 - „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehar, 6.000 Plätze, insgesamt 212.000 Besucher 2002 - „Die Csardasfürstin“, von Emmerich Kálmán, 6.000 Plätze, insgesamt 220.000 Besucher 2003 - „Giuditta“ von Franz Lehar, 6.000 Plätze, insgesamt 200.000 Besucher 2004 - „Gräfin Mariza“, von Emmerich Kálmán, 6.000 Plätze, insgesamt 220.000 Besucher 2005 - „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar, 6.000 Plätze, insgesamt 212.000 Besucher 2006 - „Der Graf von Luxemburg“ von Franz Lehar, 6.000 Plätze, insgesamt 187.000 Besucher 2007 - „Wiener Blut“ von Johann Strauß, 6.000 Plätze Johann Strauß, Emmerich Kálmán und Franz Lehar, allesamt aus dem Schmelztiegel der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie stammend, waren und sind die Mörbischer Hausgötter. „Die Gräfin Mariza“, „Die Csardasfürstin“, „Die Zirkusprinzessin“, aber auch „Die lustige Witwe“, „Das Land des Lächelns“, „Eine Nacht in Venedig“, selbst „Die Fledermaus“ gehören zur Mörbischer Dramaturgie, die im Ziel gipfelt, wirklich Pflegestätte der Wiener Operette zu sein. Carl Zellers „Der Vogelhändler“, Karl Millöckers „Der Bettelstudent“ und „Gasparone“, aber auch Operetten von Robert Stolz, Nico Dostal, Fred Raymond und Paul Abraham durften in Mörbisch nicht fehlen. „Das weiße Rössl am Wolfgangsee“ war ebenso in der Puszta zu Gast wie „Die Venus in Seide“. Wiener und internationale Publikumslieblinge der Gegenwart und der Vergangenheit, ein Cinemascope-Bühnenbild, die rotgold-untergehende Sonne und der aufziehende Mond, ein lauer Sommerabend, Sentiment, Musik und Happyend. Unter der Leitung von Intendant Harald Serafin hat das Festival internationalen Ruf erworben und sich als bedeutende Pflegestätte der klassischen Operette, als Mekka der Operette etabliert. Nach der Perfektionierung von Ton- und Lichtanlage wurde das Festspielgelände völlig umgebaut. Der Eingangsbereich wurde neu konzipiert und so spazierten die Gäste 1996 erstmals durch eine ca. 100 Meter lange, wunderschön beleuchtete Allee zum Kassen-Rondeau. Und ein neugebautes Restaurant bietet viel Raum für eine entspannte kulinarische Pause. Gleichzeitig wurde die Zuschauertribüne erhöht und auf 4.535 Plätze erweitert. Die Festivalgäste haben so nicht nur von allen Rängen eine ausgezeichnete Sicht auf das Bühnengeschehen, sondern können sogar bis ins ungarische Land blicken. Den Besuchern wird so ein akustisch und optisch einmaliges Ereignis geboten. 1999 wurde die Tageskasse und weitere Investitionen im Licht- und Akustiksektor fertiggestellt. Im Jahre 2000 wurde die Zuschauertribüne auf 6.000 Sitzplätze erweitert und die Probehallen geschaffen. 2001 wurden die Ton- und Beleuchtungstürme neu errichtet, und 2003 ein neuer Bühnenboden, speziell für die Seefestspiele Mörbisch, entwickelt und gebaut. 2002 freute sich Harald Serafin auf ein doppeltes Jubiläum. Im Dezember feierte er seinen 70. Geburtstag und im Jahr darauf sein zehnjähriges Intendanten-Jubiläum. Unter seiner Leitung haben die Seefestspiele Mörbisch internationalen Ruf erworben und sind in die Oberliga der europäischen Festspiele aufgestiegen. Wie erklärt man mit wenigen Worten, warum Mörbisch ein Geheimtipp für Segler, Surfer und Musikliebhaber ist? Bis drei Uhr Nachmittag strömender Regen und noch während der Autofahrt in den Süden Gewitterfronten und Wolkenbänke und dann dieser milde Abend mit einer sanften Brise. Wenn es ein Weinopfer war, das die Elemente versöhnt hat, muss es gewaltig gewesen sein. Der Wetterbericht gehört zum Freilufttheater. Denn warum fährt man denn an den Neusiedler See, gewiss, um den „Zigeunerbaron“ zu sehen, die „Lustige Witwe“, oder die „Ungarische Hochzeit“. Aber wir erwarten hier etwas darüber hinaus, was wir keinem Starensemble in Wien oder Berlin abverlangen würden: Verzauberung vom Abend, vom See, von den Nachtfaltern, die im Scheinwerferlicht wie Diamanten aufblitzen. Auf der Freilichtbühne erwacht das Kind im Theaterbesucher. Und dafür nimmt man leichten Herzens in Kauf, dass die Bühne weiter weg ist als üblich, dass es dem Buffopaar einmal nicht gelingt, die Operettenstimmung über das Brackwasser zu bringen, das hier kurioserweise die Rampe bildet, dass der Wind gelegentlich einen Ton mitnimmt, ins Schilf hinein oder in die Weinberge hinauf. Eine Entschuldigung? Keineswegs! Die Freilichtbühne ist etwas anderes als Burgtheater oder Staatsoper. Es gibt Einbußen, aber Hunderttausende nehmen sie nun schon seit 50 Jahren dafür hin, dass der Scheinwerfer aus der Sommernacht dieses bunte Breitwandpanorama holt. Die Freilichtbühne hat diese und jene Mängel, aber sie hat etwas, das hier alles ersetzt: Theaterzauber. Ein Glück, dass es Mörbisch gibt! Zusammengestellt von Jakob Muchitsch, August 2006
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